Nach den Vorwürfen in der „Krone“ an seine Gattin, sie hätte sich im Zuge ihres Schaffens beim – alleine 2017 mit mehr als 40 Millionen Euro von der Stadt Wien geförderten – „Verein Wiener Kinder- und Jugendbetreuung“  „mit kreativem Geschick“ ihr Gehalt aufgebessert, bricht nun erneut Wirbel um den hochrangigen Wiener SPÖ-Politiker Harry Kopietz aus: In einem dem „Wochenblick“ exklusiv vorliegenden Bericht des Kontrollamts der Stadt Wien aus dem Jahre 1979 wurden große Mängel und finanzielle Ungereimtheiten im Zusammenhang mit dem „Verein Wiener Jugendkreis“ beanstandet…

Ein Beitrag von René Rabeder

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Aufträge an die Verwandtschaft verteilt?

Besonders im „Gebiet der Floridsdorfer Jugendzentren“ fielen „mangelhafte und zum Teil bemerkenswerte Anweisungen von Honoraren und Hilfslöhnen“ auf. Brisant: Beim Gebietsleiter dieser Floridsdorfer Jugendzentren soll es sich mutmaßlich um den SPÖ-Politiker Harry Kopietz handeln. Dieser ist seit 1984 Abgeordneter zum Wiener Landtag und Mitglied des Wiener Gemeinderats und war von 2008 bis Mai 2018 sogar Präsident des Wiener Landtages.

In dem Schreiben aus dem Jahre 1979 heißt es weiter, dass verschiedenen Auszahlungen Werkverträge zugrunde lagen, die vom seinerzeitigen Gebietsleiter unterfertig wurden, obwohl dieser dafür gar keine Berechtigung gehabt hätte. Hervorzuheben war für das Kontrollamt „ … dass der Gebietsleiter allein Personen aus seiner Verwandtschaft Aufträge in der Höhe von insgesamt 30.750,– Schilling zukommen ließ und dazugehörige Werkverträge als Auftraggeber unterfertigte.

Auch in seinem eigenen Namen habe der Angestellte mehrere Honorarnoten von zusammen 17.200,– Schilling gestellt, die anerkannt worden waren, obwohl gleichartige Rechnungen in der Gesamthöhe von 33.173,- Schilling vom „Verein der Floridsdorfer Kinder-, Jugend- und Freizeitzentren“ vorlagen und verschiedene andere Personen für gleiche oder ähnliche Leistungen weitere Beträge erhalten hätten.

Wurde auch die Ehegattin bedacht?

Unter Punkt 8 des Kontrollschreiben heißt es: „Der Gebietsleiter legte ferner eine Aufstellung über die Inserateneinnahmen für die Clubhefte des Ferienclub vor. Die Zusammenstellung erwies sich allerdings als unrichtig, da eine Firma einen um 10.000,– Schilling niedrigeren Betrag in Form von Warenpreisen zur Verfügung stellte und ein anderes Unternehmen überhaupt keine Inseratengebühr bisher bezahlte.

Trotzdem hat die Gattin des Gebietsleiters auch von den beiden nicht bezahlten Inseratenerlösen zehn Prozent als Werbeprämie erhalten, wodurch sich für sie insgesamt ein Verdienst von 11.480,– Schilling ergab“.

Beträge rückerstattet, Dienstverhältnis beendet

In einer Antwort des „Verein Wiener Jugendkreis“, die dem „Wochenblick“ ebenfalls vorliegt, heißt es zu den Vorkommnissen, dass „ … die Buchhaltung der Zentren zwar regelmäßig kontrolliert wurden und dass bei der Feststellung von Mängeln verschiedene Maßnahmen gesetzt wurden“. Das vorhandene Personal hätte aber für intensiviere Kontrollen nicht ausgereicht.

Weiters „ … darf festgestellt werden, dass der ehemalige Leiter des Zentrums alle Beträge die durch Fehlbuchungen zu Lasten des Vereines entstanden sind, bereits rückerstattet hat. Sein Dienstverhältnis wurde einvernehmlich gekündigt“.

Tatsächlich liegt dem „Wochenblick“ auch das schriftliche Ersuchen Kopitz´ um eine Beendigung des Dienstverhältnisses beim „Wiener Jugendkreis“ in beiderseitigem Einverständnis vor.

Rückwirkend Stundenlohn erhöht?

Wenige Monate zuvor ließ sich Kopietz aber laut einem weiteren vorliegenden Schriftstück noch rückwirkend seinen Stundenlohn von 70,- Schilling auf 92,- Schilling erhöhen.

 

Keine Stellungnahme, Rücktrittsaufforderung

Auf eine Anfrage des „Wochenblick“ zu allen Punkten an Harry Kopietz kam bisher keine Stellungnahme. Klar Stellung bezog hingegen der geschäftsführende Klubobmann der FPÖ, Johann Gudenus. Dieser fordert Kopietz zum sofortigen Rücktritt auf. „Sollte er dieser Forderung nicht nachkommen ist Bürgermeister Ludwig verpflichtet endlich durchzugreifen. Es müssen alle Vereine in denen Kopietz tätig war durch den Gemeinderat geprüft werden. Besonders hebe ich hier der den ‚Verein der Freunde der Donauinsel‘ hervor“, so Gudenus.

Harry Kopietz initiierte 1984 das Wiener „Donauinselfest“, das er bis 2008 auch organisierte.