WOCHENBLICK berichtete bereits über den erschütternden Brief eines Polizisten der belegen soll: Die Eskalation im Anschluss der Freiheitsdemonstration vergangenen Samstag war geplant! Die Polizei habe den Befehl erhalten, eine Einkesselung der Demo-Teilnehmer vorzunehmen. Jetzt erhielt WOCHENBLICK weitere brisante Informationen zu dem Fall, der das Vertrauen in Österreichs Staatsgewalt erschüttert. Ein steirischer Künstler schilderte uns erstaunliche Beobachtungen. Er ist sich sicher: Die Aktion war geplant!

Von Bernadette Conrads

Florian Roszkopf (44) ist ein steirischer Künstler und Einzelunternehmer. Er betreibt wenige Kilometer südlich von Graz eine kleine Tischlerei. Gemeinsam mit seiner Mutter Maria (69) machte er sich – wie tausende andere – zur Demo nach Wien auf, um gegen die Kurz-Regierung zu demonstrieren. Roszkopf ist ein begeisterter Demo-Gänger und beobachtete und begleitete bereits viele Demonstrationen in verschiedenen Städten. Derartige Situationen kannte er „bisher nur aus Berlin“, zeigte sich der steirische Künstler schockiert gegenüber WOCHENBLICK. Er dokumentierte die Situation durch zahlreiche Video-Aufnahmen, die er WOCHENBLICK dankenswerterweise zur Verfügung stellt!

Mutter: „Jetzt wird’s gefährlich!“

Jetzt sind Mutter und Sohn zutiefst erschüttert: Sie waren am Samstag im Demo-Kessel und beobachteten die – aus ihrer Sicht – geplante Eskalation. Mutter und Sohn schilderten gegenüber WOCHENBLICK, dass die „Polizei zuerst mit den Helmen im Arm dastand“. Plötzlich hätten sie diese aufgesetzt.

Florian Roszkopf: „Noch bevor das Tor geöffnet wurde, setzten die Polizisten ihre Helme auf!“ Seine Mutter Maria: „Ich dachte mir: Jetzt wirds gefährlich!“. Maria Roszkopf ist entsetzt: „Der Slogan von der Polizei als Freund und Helfer wurde durch diese Aktion beschmutzt. Was ist das für eine Polizei, die auf friedliche Bürger losgeht?“

Florian Roszkopfs Augenzeugenbericht:

Florian Roszkopf

Als Teilnehmer der Veranstaltung am 06.03.2021 auf der Jesuitenwiese in Wien war ich mit meiner Familie und Freunden auf dem Rückweg zum Auto in der Innenstadt.

Da alle Brücken von der Polizei abgesperrt waren, mussten wir gemeinsam mit tausenden anderen Teilnehmern den Donaukanal entlang gehen in der Hoffnung, einen Weg in die Innenstadt zu finden. Wir befanden uns am hinteren Ende des Zuges. Hinter uns eine Kolonne von vollbesetzten Polizeiwagen, was sehr ungewöhnlich ist.

Normalerweise fahren nur ein paar Wagen hinterher, um die Sicherheit zu gewährleisten. Wir konnten nicht wissen, dass wir alle direkt in eine Falle laufen würden.

Polizei bildet Kessel:


Beim Versicherungsgebäude der Wiener Städtischen Befand sich eine Polizeisperre.
Die Menschen konnten nicht weiter. Die nachrückenden Polizeiwagen machten den Kessel zu und wir saßen in der Falle.

Pfefferspray: Polizei erzeugte Panik

Die Menschen versuchten nach vorne durchzubrechen, doch das gelang nicht. Ich habe davon wenig mitbekommen, weil wir uns am Ende des Zuges befanden. Von vorne rückten die Behelmten an und gingen massiv mit Pfefferspray in die Menge. Das erzeugte Panik bei den Leuten. Hinten begannen sich die Polizisten zu formieren.

Im Polizei-Kessel:

Wir wurden immer weiter zusammengetrieben.
Die Nachrückende Polizeikette hatten keine Helme auf.

Die Menschen singen die Bundeshymne und frieren in der Kälte.

Die Polizei rückt von allen Seiten näher und drängt die Leute zusammen. Die Leute bewegen sich zum Trommelschlag. Es ist saukalt. Polizei hinter uns stellt die Polizeibusse quer und baut eine komplette Blockade auf, doch immer noch ohne Helm.

„Ich ahnte bereits eine Falle“

Plötzlich setzen die Polizisten die Helme auf:

Augenblicke später ging das Tor zum Innenhof der Wiener Städtischen auf. Ein Menschenstrom versuchte vor der Polizei in den Innenhof zu flüchten. Es kommt zu Tumulten beim Tor.

Interessant ist, dass die Polizisten die Helme aufsetzen, BEVOR das Tor aufgemacht wurde!

Ich ahne bereits eine Falle. Wir gehen nicht mit hinein.
Mit Schildern und Schlagstöcken bewaffnet rückt die Polizei ins Gebäude nach. Eine Hundestaffel ist auch dabei. Es ist ein absurdes Bild, zumal es sich hier um friedliche Menschen handelt, die nur nach Hause wollen.

Ein Verletzter wird auf einer Krankentrage aus dem Gebäude gebracht.

Die Polizei holt Grüppchenweise die Leute heraus um die Personalien festzustellen.
Im Hintergrund ein Krankenwagen.

 

Als wir nach der Polizeikontrolle an der abgesperrten Brücke waren, verlangten wir Durchlass in die Innenstadt. Polizei: ‚Wir dürfen euch nicht durchlassen.‘ Ich: ‚Warum?‘ Polizei: ‚Das gehört zum Sicherheitskonzept. Geht weiter zur nächsten Brücke, die ist offen.‘ Ein Umweg von über zwei Kilometern. Meines Erachtens ein weiteres Indiz dafür, dass hier ein Plan erfüllt wurde. Reine Schikane.

Demonstranten mussten sich an die Wand stellen!

Unsere Identität wurde festgestellt. Wir bekommen eine Anzeige wegen Teilnahme an einer unerlaubten Veranstaltung. Ich versuchte, dem Polizisten zu erklären, dass wir nur auf dem Weg zu unserem Auto sind. Er meinte: ‚Das interessiert mich nicht, ich soll hier nur die Anzeigen schreiben, ihr könnt eh in Berufung gehen.‘

Detail: Als wir von der Polizei zur Identitätsfeststellung aus dem Kessel geführt werden, sagen die Polizisten laut zu uns: ‚Stellt euch da an die Wand!‘ Das war ein heftiger Moment für uns!

Der letzte Polizist sagt: ‚Danke für die Überstunden.‘ Diesem Mann richte ich hiermit aus: Bedanke dich bei deinem Chef!

Aus dem Kessel heraußen treffen wir Alexander Ehrlich:

Kurz vor 20 Uhr: Heimweg zum Auto. Wir kommen wieder!

 

„Werden Strafanzeige stellen“

Fazit: Die gesamte Aktion war definitiv geplant. Die Vorgehensweise der Polizei erfüllt einen vorgegebenen Plan. Es ist eine Schande!

Wir alle werden auf jeden Fall Strafanzeige wegen Freiheitsberaubung, Amtsmissbrauch und Bedrohung stellen. Und ev. auf Schadenersatz wegen dem erlittenen Schock klagen. Niemand von uns konnte seine Notdurft verrichten, wir wurden widerrechtlich festgehalten. Es geht gar nicht, so mit unbescholtenen Bürgern umzugehen, die ihr unverhandelbares Recht wahrnehmen.

Mehr zur Freiheits-Demo (6. März):