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Als Skandal bezeichnete die Partei „Süd-Tiroler Freiheit – Freies Bündnis für Tirol“ die kürzlich vom Meraner Stadtrat festgelegten Billigmieten für Sinti. Sinti-Familien können künftig die eigens für sie gebauten acht Wohnmodule um 25 Euro pro Monat – plus Wasser und Heizung – nutzen.

Ein Report von Kornelia Kirchweger

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Gemeinderat Mitterhofer: „Schreiende Ungerechtigkeit“

Pikant: Armutsgefährdete Rentner oder Personen ohne Einkommen zahlen in Sozialwohnungen laut regionalen Medien mindestens 50 Euro.

Christoph Mitterhofer, Gemeinderat der „Süd-Tiroler Freiheit“, fordert nun entweder eine Anpassung der Miete für die Sinti-Wohnungen auf 50 Euro oder eine Senkung auf 25 Euro für alle Betroffenen, um Gleichberechtigung herzustellen. Wie Mitterhofer in einem Telefonat mit dem „Wochenblick“ mitteilte, habe es schon Versuche gegeben, Sinti in üblichen Sozialwohnungen unterzubringen.

Aufgrund der ihnen eigenen Lebensweise sei sei es dort aber zu Konflikten mit den Nachbarn gekommen. Auch der Zustand der Wohnungen habe offenbar sehr gelitten.

Christoph Mitterhofer süd-tiroler freiheit
Christoph Mitterhofer von der Süd-Tiroler Freiheit kritisiert die Sonderkonditionen für Sinti im exklusiven „Wochenblick“-Interview scharf!

Grund für „Sozialmiete“: Sinti schlafen nicht in Unterkünften

Laut Mitterhofer habe der Meraner Stadtrat die Billigmieten wie folgt begründet: Die Sinti würden in ihren Campingwägen übernachten, in den Wohnmodulen schlafen sie dagegen nicht. Sie halten sich dort lediglich tagsüber auf und nutzen die Infrastruktur, wie beispielsweise die Sanitäranlagen.

Ein Bericht in „Alto Adige“ bestätigt das: In den „Nomaden-Modulen“ gebe es gar keine Betten. Auch Schlafzimmer gebe es nicht. Auf dem etwa 2.000 Quadratmeter großen Areal am Ufer der Passer könnten Sinti neben den Unterkünften auch ihre Campingwägen abstellen. In Summe ist dort Platz für 49 Personen.

roma lager linz
In Linz mussten immer wieder illegale Roma-Lager geräumt werden. Die hygienischen Zustände entsprachen augenscheinlich nicht mitteleuropäischen Standards.

940.000 Euro Kosten

Kostenpunkt der gesamten Anlage: 940.000 Euro, wobei zwei Drittel davon aus dem Landesfonds kommen. Sinti unterzeichnen für die Wohnmodule mit der Gemeinde einen Nutzungsvertrag und müssen nur die halbe Kaution von 75 Euro – statt sonst 150 Euro – hinterlegen.

Die Festlegung der günstigen Sozialmiete sei im Stadtrat nicht unumstritten gewesen, führte Mitterhofer gegenüber „Wochenblick“ aus. Im Bericht von „Alto Adige“ wird das bestätigt: Stadtrat Nero Zaccaria, von der „Alleanza per Merano“ („Bündnis für Meran“) habe dagegen gestimmt. Er kritisierte unter anderem die Sozialmiete und die niedrige Kaution.