Im medialen und kulturellen Betrieb landet ein jedes Wort auf einer goldenen Waagschale. Es reicht eine saloppe Aussage, ein unschuldiges Sprichwort, ein anstößig wirkendes Zitat.

En Kommentar von Alfons Kluibenschädl

In Deutschland entfaltete sich ein skurriles Karussell: Ex-Fußball-Nationaltormann Jens Lehmann betitelte den dunkelhäutigen Ex-Nationalspieler Dennis Aogo als „Quotenschwarzen“ und verlor seinen Aufsichtsratsposten bei einem Bundesliga-Klub. Nur Tage später musste Aogo selbst als „Sky Sports“-Experte den Hut nehmen, weil er davon sprach, dass die Spieler „bis zur Vergasung“ trainiert hätten – ein Begriff, der auf die Schützengrabenkämpfe des Ersten Weltkriegs zurückgeht.

Schön sprechen wichtiger als Fehler im Amt

Nun ergriff Grünen-Rebell Boris Palmer das Wort, übte Kritik an beiden Entlassungen. Weil er erwähnte, dass er auch Aogo für einen Rassisten halte, weil jener Frauen „seinen Negerschwanz“ anbot, soll er nun aus seiner Partei fliegen: Eine erfolgreiche politische Karriere soll jäh zu Ende gehen, weil er das Zitat einer Internet-Nutzerin nicht als solches markierte. Währenddessen sitzen in Deutschland und Österreich jene Politiker, die uns mit völlig evidenzbefreiten Maßnahmen seit über einem Jahr pflanzen, teils an Maskendeals mitverdienen oder die Grundrechte abschaffen, fest im Sattel. Das vermittelt dem Volk: Kolossalen Mist bauen geht klar, aber schön sprechen ist das Um und Auf. Riefen die üblichen Verdächtigen hier ebenso schnell nach einem Rücktritt, wäre uns wohl viel erspart geblieben.

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