Der kritische und anregende Text „Stunde der Wahrheit“ des Seelsorgers in der Pfarre Zell am Ziller in Tirol sorgt für Aufregung. Das geht sogar so weit, dass der Pfarrer seine Zeilen, die er als „Zehn Gebote für eine freie Entscheidung“ bezeichnet, auf Intervention des Generalvikars von der Pfarr-Homepage entfernen musste.

Nicht nur Ärzte, Lehrer, Polizisten werden diffamiert und Opfer von Repressalien, wenn sie sich trauen, ihre Meinung öffentlich kundzutun. Nun wird bekannt, dass es auch einem katholischen Pfarrer nicht gestattet ist, eine von der Regierung abweichende Meinung zum Thema Corona, speziell zur Impfung, zu haben. Hinterfragen, verschiedene Aspekte in die Entscheidungsfindung einfließen lassen, abwägen – alles nicht gewollt und nicht geduldet.

Zeller Pfarrer äußerte sich Kritisch zu Massenimpfung

Ein offener Brief über die Massenimpfungen in der Gemeinde Schwaz, in dem der Pfarrer Steinwender Argumente in alle Richtungen abwägt und für eine freie Entscheidung plädiert, wird zum Zensurobjekt. Kein Druck, kein Zwang in Bezug auf die Impfung, eventuelle Vor- und Nachteile und auch eine Bewertung aller medizinischer Risiken, seien laut dem Seelsorger unbedingt erforderlich.

Er selbst bringt in seinen „10 Geboten zur freien Entscheidung“ Fragen und Gedanken zum Ausdruck, die auch großen Teilen der Bevölkerung durch den Kopf gehen. Es würde in Schwaz von Seiten der Politik gerade so getan, als wäre die Impfung ein verfrühtes Ostergeschenk. Warum werden die Entscheidungen von der Politik so schnell getroffen?

Weshalb müsse man sich innerhalb kürzester Zeit zur Impfung anmelden? Seien alle medizinischen Aspekte berücksichtigt worden? Gibt es wirklich eine Rückkehr zur Normalität nur mehr mit Impfung? Für jede Impfung sei eine Langzeitstudie erforderlich, nun gehe dies alles so schnell, ohne Langzeitbeobachtungen – „Wenn es gut ausgeht, sind wir „Vorreiter“ gewesen, wenn es schlecht ausgeht, haben wir eben Pech gehabt.“

Freigeist mit wöchentlichen Gedanken zur Welt

Steinwender betreibt auf der Homepage der Pfarre Zell am Ziller eine Seite, in der er wöchentlich in Briefen seine Gedanken zu verschiedenen Themen mitteilt. Hier findet man nun anstatt des Briefes nur mehr eine Stellungnahme des Pfarrers, in der er sich auch bei all jenen bedankt, die ihm auf seine offenen Worte viel Zuspruch und Dank entgegengebracht haben. Zu finden ist der Brief immer noch auf diversen sozialen Plattformen.

Mut-Pfarrer: „Wir sind also Versuchsobjekte“

Auszug aus diesem Brief:

„Damit hängt die weitere Frage zusammen: Ist das Ganze nicht ein Versuch? In der Einladung einer Gemeinde zum Impfen heißt es: „Bei der Anmeldung als möglichen Impfort „Öffentliche Impfstation“ wählen und „Bezirk Schwaz – Wissenschaftliche Studie“ angeben. Das heißt eigentlich, dass der Zweck der Impfung eine Studie ist. Man studiert an uns, wie sich ein Impfstoff auswirkt etc. Es wird ein Versuch gemacht. Wenn man ausreichend Bescheid wüsste, dann bräuchte man ja keinen Versuch machen. Wir sind also Versuchsobjekte!!!“

„Muss ich mich nicht aus Nächstenliebe impfen lassen, es geht doch um die Volksgesundheit? Diese Frage könnte man dann bejahen, wenn sicher belegt wäre, dass durch die Impfung man selbst vor Ansteckung und die anderen vor Weitergabe der Krankheit durch geimpfte Personen geschützt wären, jedoch mit dem Vorbehalt, dass niemand verlangen kann, dass man selbst einen gesundheitlichen Nachteil in Kauf nehmen muss, um andere zu schützen.

Dazu muss man zunächst einschränkend sagen: Die Impfung schützt nicht 100-prozentig, sondern zwischen 50 und 95 Prozent. Wenn man geimpft ist, kann man trotzdem angesteckt werden und das Virus übertragen (wie man zB auf der Seite der Europäischen Medikamentenagentur bei allen zugelassenen Impfstoffen nachlesen kann) und es ändert sich voraussichtlich auch nichts an der Maskenpflicht.

Nun gibt es aber auch schon viele Erfahrungen, dass Leute in unmittelbarem Zusammenhang mit der Impfung krank wurden bis hin zu Todesfällen. Noch viel drastischer sind jedoch Befürchtungen über andere Schäden langfristiger Art, wie sie oben schon unter Punkt drei angeführt wurden. Wenn man z. B. als Vater oder Mutter gesundheitliche Risiken in Kauf nimmt, ist das dann nicht auch ein Verstoß gegen die Nächstenliebe?“

Generalvikar bekennt sich zu nationalem Impfprogramm

Von uns wurde eine schriftliche Anfrage zur Stellungnahme an den zuständigen Generalvikar gestellt, da dieser die Löschung des Briefes von der Pfarr-Homepage Zell am Ziller anordnete. In dieser Stellungnahme bezog sich der Generalvikar auf die Aussagen mit einem Auszug aus der Presseerklärung der Österreichischen Bischofskonferenz zum Thema Pandemie, in der es bezüglich Impfung heißt: „Wir möchten allen danken, die im vergangenen Jahr einen Beitrag zur Überwindung der Pandemie geleistet haben und dies immer noch tun. Kein herzhaftes Engagement, sei es im Rampenlicht der Öffentlichkeit oder im Verborgenen, ist selbstverständlich – auch nicht fehlerfrei.“

Kirche als verlängerter Arm der Politik?

Und weiter: „Dies zuzugeben, hilft uns menschlicher miteinander um- und den wichtigen Schritt des Dialogs zu gehen. Unser Dank gilt allen Verantwortlichen in der Politik sowie in den vielen Bereichen gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens, die mit großem Einsatz einen Weg durch die Krise vorgeben und umsetzen mussten. Wir möchten das Bewusstsein stärken, dass wir alle Verantwortung übernehmen müssen und im Dienst an der Gemeinschaft zur Verwirklichung einer „geistvollen Normalität“ beitragen können. Die Teilnahme am staatlichen Impfprogramm und die weiterhin sorgfältige Beachtung der Hygienevorschriften und der noch immer notwendigen Maßnahmen sind logische Empfehlungen, die sich daraus ableiten.“

„Entgleisung“ des Pfarrers „untergräbt“ Impfbeteilung

Zusätzliche Erklärungen zur Absetzung des Briefes von Steinwender seien vor allem die „Entgleisung“ und „Untergrabung unseres Bemühens um möglichst vollständige Beteiligung an der Impfung“, die dem Pfarrer auch von politischen Verantwortlichen vorgeworfen werde.

Steinwender könne seine Meinung als Privatmann haben, dies im Rahmen seiner Funktion als Repräsentant der Kirche kundzutun, überschreite aber seine Kompetenz. Er verunsichere damit Leute und gefährde sie mit seinen Aussagen. Die gesamte Stellungnahme liegt dem Wochenblick vor.