Der Standard überraschte am Sonntag mit einem Artikel über die Überrepräsentation von Asylwerbern bei den Sexualstraftaten. Doch ohne Relativierungen kam das „Zentralorgan des Linksliberalismus“ auch dieses Mal nicht aus. Die Männer aus „vormodernen Gesellschaften“ könnten eben nicht anders, Frauen in Hotpants würden zur Vergewaltigung anregen.

Von Bernadette Conrads

Fünf Jahre nach der Flüchtlingskrise gibt auch der linksliberale Standard zu: die Vergewaltigungen sind durch den massenhaften Zuzug junger Migranten geradezu explodiert. 2016 stieg der Anteil der Asylwerber unter den Tatverdächtigen von 5,7 auf 14,6 Prozent. Gemessen an ihrem Bevölkerungsanteil ist diese Personengruppe unter den Sexualstraftätern zweifelsfrei überrepräsentiert. Vor allem Afghanen steigern die traurige Bilanz.

Späte Einsicht der kulturellen Diskrepanz

Bereits 1996 sorgte der Politikwissenschafter Samuel P. Huntington mit seinem „Kampf der Kulturen“ für kontroverse Diskussionen. Jetzt, im Jahr 2020, dringt das Problem des kulturellen Aufeinanderprallens auch bis in die linksliberale Blase der Standard-Redaktion vor. Zu Verdanken ist diese späte Einsicht einem Männerberater, einem Soziologen und einer Konfliktforscherin.

Männerberater: dramatischer Schwung an Asyl-Vergewaltigungen

Der Leiter der Wiener Männerberatung und Psychotherapeut, Jonni Brem, stellte gegenüber dem Standard klar: Es wurde nichts hochgespielt. Im Gegenteil: „Ich habe viele Fälle erlebt, die in der Öffentlichkeit untergingen.“
Er sei in Gefängnissen, bei Prozessen und in Kooperation mit der Polizei in die Geschichten junger Asylwerber eingedrungen, die gerade erst ins Land gekommen waren. Dabei registrierte er einen Schwung an sexuellen Übergriffen, den er gegenüber dem Standard „dramatisch“ nennt.

Männer aus „vormodernen Gesellschaften“

Auch die Leiterin des Instituts für Konfliktforschung, Birgitt Haller, sprach gegenüber dem Standard Tacheles: „Die sexuelle Gewalt ist gestiegen – und Asylwerber sind unter den Tatverdächtigen massiv überrepräsentiert.“
Gleichzeitig zeigte sie viel Verständnis für die Verhaltensweisen der zugezogenen Glücksritter: Männer aus „vormodernen Gesellschaften“ würden die westliche Lebensweise oftmals missinterpretieren und hätten kein Verständnis für die im Westen vorherrschende Gleichwertigkeit der Frau.

Zurück in die „Selber Schuld“-Debatte?

Sehr zur Aufregung einiger Kommentatoren stellte die Konfliktforscherin fest: „Ein Mädel in Hotpants kommt bei ihnen oft als Einladung an.“ Das erzürnte viele Leser. Immerhin gilt die Debatte um die Eigenverantwortung in der Bekleidungswahl von Frauen, um nicht vergewaltigt zu werden, als längst überwunden.
Das Argument, dass eine Frau zu aufreizend gekleidet gewesen sei und sie daher selbst eine Schuld für ihre spätere Vergewaltigung oder sexuelle Belästigung träfe, gilt als zutiefst sexistisch.