Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sprach sich am Freitag – vorläufig – gegen die Einführung von Covid-19-Impfpässen als Bedingung für eine internationale Reisefreiheit aus. Es gebe noch zu viele Unklarheiten bezüglich der Impf-Wirkung, u.a. bezüglich der Virus-Übertragung. Ein Impfnachweis solle zudem andere, vorsorgliche Maßnahmen nicht ersetzen. Gleichzeitig rief sie alle Länder der Welt auf, innerhalb von 100 Tagen mit einer Covid-19-Impfkampagnen zu beginnen. 

Von Kornelia Kirchweger

Luftverkehrsverband: Testen wichtiger als Impfen

Die Forderung nach „Impfpässen“ für freies Reisen taucht immer wieder auf, ist aber auch, vor allem aus wirtschaftlichen Gründen, umstritten. Im Dezember gab die australische Fluglinie Qantas bekannt, künftig auf internationalen Routen einen Covid-19-Impfnachweis zu verlangen, andernfalls müssen Passagiere in einem Hotel in Quarantäne. Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung (IATA) bezweifelt wiederum, dass eine Impfpflicht global funktionieren könne. Für ein Öffnen der Grenzen sei systematisches Testen wichtiger als die Impfung. Manche Experten begründen dies mit der begrenzten Impfstoff-Verfügbarkeit und deren unterschiedliche Qualität – könne man jedem Impfstoff vertrauen? Besonders für Menschen in sich entwickelnden Ländern werde es zudem Jahre dauern, bis jeder, der fliegen möchte, sich impfen lassen könne. Das Internationale Airport Council, das Flughäfen weltweit vertritt, will eine vorläufige Wahlfreiheit zwischen Test oder Impfung. Das Warten auf Impfstoffe würde die Menschen vom Reisen abhalten, was die Luftmärkte lähmen könnte.

Vorgehensweise in der EU unklar

Die Vorgehensweise in der EU ist bisher unklar. Griechenlands Premier Kyriakos Mitsotakis forderte vor einigen Tagen die EU-Kommissionspräsidentin auf, einheitliche Vorgaben für einen Corona-Virus-Impfnachweis zur Orientierung für alle EU-Länder zu erarbeiten. Gleichzeitig – und wenig nachvollziehbar – sagte er auch, die Impfung werde nicht verpflichtend oder Voraussetzung für das Reisen sein.

Für den EU-Datenschutzbeauftragten Wojciech Wiewiórowski wiederum sind Immunitätsausweise „extrem“ und auf „Annahmen begründet, die medizinisch nicht bestätigt sind“. In Großbritannien, das seit Jahresbeginn nicht mehr dem EU-Block angehört, entbrannte nun eine heiße Diskussion über die „Ethik eines Impfpasses“, nachdem die Universität von Exeter kürzlich Bedenken hinsichtlich Menschenrechte und Schutz privater Daten äußerte.