Großteils junge, weiße Linke tragen die Klimabewegung - und die wenigen Angehörigen von Minderheiten in ihrem Reihen kritisieren jetzt angeblichen Rassismus bei "Fridays for Future"

Die allgegenwärtigen Diskussionen über vermeintlichen Alltagsrassismus machen auch vor der Klimabewegung nicht halt. 

Man könnte es für eine satirische Meldung halten – es ist aber knallharte Realität. Denn die Klima-Jünger der längst weit nach links abgedrifteten „Fridays for Future“-Proteste entzündeten jetzt tatsächlich eine Debatte über Rassismus in eigenen Reihen. Und es ist ein von Vorwürfen und Aufrufen zur Selbstreflexion geprägter Diskurs.

Schon wieder nicht-weiße Aktivistin retuschiert

Das Thema schwelte bereits seit einigen Monaten, nachdem eine Nachrichtenagentur im Jänner bei einem Bild von fünf Aktivistinnen rund um das Weltwirtschaftsforum in Davos ausgerechnet Vanessa Nakate aus Uganda per Bildrand abschnitt. Kürzlich wiederholte sich ein solcher Vorfall – und zwar beim Protest gegen das Kohlekraftwerk Datteln IV.

Denn, wie das Portal Watson heraushob, fehlte erneut eine prominent teilnehmende, nicht-weiße Aktivistin bei der Bilderauswahl, die Greenpeace von der gemeinsamen Aktion teilte. Die betroffene Tonny Nowshin beschwerte sich daraufhin medial über die Quasi-Retusche, unterstellte der Klimabewegung ein Rassismusproblem.

Die weißen Klima-Aktivisten würden ihr Privileg nicht sehen, so die aus Bangladesh stammende Frau. Greenpeace jedenfalls entschuldigte sich sofort artig dafür.

Auch Vorwurf eines strukturellen Rassismus

Das war allerdings erst der Anfang, denn nun trat mit dem über asiatische Vorfahren verfügende Asuka Kähler ein Aktivist auf den Plan, der FFF überhaupt strukturellen Rassismus vorwarf: „Das größte Problem ist es, dass FFF überhaupt nicht anschlussfähig ist für BIPoC/migrantische Personen. Die Bewegung ist durch und durch weiß geprägt: von der Art zu sprechen, von den Orten, wo sich getroffen wird, zum akademischen Bildungsgrad, dem sozialen Standard und vielem mehr.“

Und weil Linke so reagieren, wie sie eben reagieren, erklärte FFF-Chefideologin Luisa Neubauer: „Da haben wir aber als Klimabewegung ganz viel nachzuholen, zu lernen, zuzuhören und zu hinterfragen. […] Wir dürfen die Aufarbeitung rassistischer Muster aber nicht den Schwarzen und PoC überlassen, sondern müssen selbst überlegen, welche Rollen wir übernehmen.“

Lesekreise und Workshops gegen Rassismus

Als Resultat, so Aktivistin Line Niedeggen laut Focus, fange man an „über Rassismus in der Bewegung zu sprechen“ und eigene Verhaltensweisen zu reflektieren. Einige regionale Gruppen würden etwa Anti-Rassismus-Workshops abhalten. Andere Ortsgruppen hätten Lesekreise, in denen sie das Buch „Exit Racism“ von Tupoka Ogette lesen, die seit Jahren Vorträge über Alltagsrassismus, strukturellen Rassismus, AntiBais, Intersektionalität und Empowerment hält und Leute zu rassismuskritischen Reisen lädt.

So oder so, die Schlussfolgerung bleibt dennoch, dass das eigene Kernthema die Mutter aller Probleme sei, so Niedeggen: „So langsam reift die Einsicht, dass die Wurzeln der Klimakrise so eng verknüpft sind mit Rassismus, Sexismus, Klassismus und allen globalen Ungerechtigkeiten, dass es nicht reicht, nur noch über Emissionen zu sprechen.“