Sebastian Kurz ist ein quirliger Maturant. Deshalb hat er bekanntlich ganz im Alleingang jene Balkanroute geschlossen, über die seit Monaten trotz geschlossener Grenzen wieder tausende Migranten einsickern. Jetzt hat er einen neuen Karriereplan: Test-Weltmeister will er werden. Was sich anhören soll wie eine Goldmedaille für die Sportnation Österreich ist in Wirklichkeit eine Umschreibung dafür, die Bürger in zwei Lager zu spalten: Jene, die wie Schäfchen brav alles mitmachen als Privilegierte – und die Kritiker als Aussätzige. Diese Geisteshaltung soll, geht es nach Kurz‘ Bildungsminister Faßmann, nun auch an den Hochschulen des Landes Einkehr halten.

Kommentar von Alfons Kluibenschädl

Schon als Kind wunderte ich mich über Sujets mit der Aufschrift: „Hier könnte IHRE Werbung stehen“. Eine gute Generation später wundere ich mich immer noch ob der gefinkelten PR-Gags des Sonnenkanzlers, was alles möglich ist – aber gleichzeitig bin ich mit Sorge erfüllt. Denn das Klima wird immer totalitärer. Kritiker werden zensiert und verlieren ihren Job, ohne negativen Corona-Test darf man nicht einmal mehr zum Friseur und man spielt offen mit dem Gedanken, wie Israel einen „grünen Impfpass“ einzuführen, der das Volk spaltet. Am wahrscheinlich verrücktesten ist aber, dass man Menschen das Recht auf Bildung vorenthält, wenn sie nicht so spuren, wie Kurz & Co. das gerne hätten.

Absurder Testzwang soll auch an Unis kommen

Die erste Tranche dieses Irrsinns sehen wir derzeit in Schulen. Tausende Kinder dürfen derzeit nicht zum Präsenzunterricht, wenn sie sich nicht dem rigorosen Test-Regime unterwerfen. Zwar waren in der ersten Woche gerade einmal 0,04 Prozent der Tests positiv – aber bei der Regierung hält man die Sache für eine Erfolgsgeschichte. Darum wird nun allen Ernstes überlegt, diese wunderliche Idee auf die Unis zu übertragen. Wie so oft haben Unis dabei die Möglichkeit, dies zu verlangen – die „Freiwilligkeit“, die sie meinen…

Künftig könnten in manchen Fächern nur mehr jene Studenten eine Lehrveranstaltung belegen, die sich zuvor testen lassen. Maßgabe ist die Tagesstimmung des Professors.  Dasselbe soll auch für die Absolvierung von Prüfungen gelten. Wer das nicht will, der kann dann nur Online-Kurse absolvieren. So weit die Theorie. In der Praxis verlangen viele Studien-Lehrpläne aber einige prüfungsimmanente Seminare und oftmals auch Exkursionen oder Praktika. Da heißt es dann gleich einmal: Der Regierung folgen oder keinen Abschluss bekommen.

Ab Sommersemester nur regierungstreue Studenten?

Gelten soll die Testpflicht für Studenten ab dem Sommersemester. Wer künftig Lehrer, Arzt oder Anwalt werden möchte und der Gesellschaft somit etwas zurückgeben will, der muss sich zuvor dem Willen der Regierung unterwerfen. Dabei halten sogar die eigenen Experten der Regierung teilweise relativ wenig von den PR-Test-Aktionen des Kanzlers. Wer dies aus ethischen, gesundheitlichen oder anderen Gründen ablehnt, der kann sich seine Berufsausbildung – und ja, das ist ein Studium eigentlich – in die Haare schmieren.

Freilich gibt es nun solche die meinen: Besser Vorlesungen mit Anwesenheit mit einigen Unannehmlichkeiten als alles über mitunter marode Server abwickeln. Aber all denen, die heute sagen: „Es ist ja nur einmal kurz in der Nase stochern“, dem sei gesagt: Das ist aller Laster Anfang. Denn von dorthin ist es nicht mehr weit, bis es nur ein „kleiner Pieks“ ist und Uni-Abschlüsse nur mit Impfung möglich sind. Hochschulbildung nur für jene, die sich dem Diktat der Regierung bedingungslos fügen – das kannte man bislang aus der DDR. In westlichen Demokratien ist das gefährliches Neuland.

Impfzwang für Bildung wäre keine absolute Weltneuheit

Sehe ich Gespenster? Das würde ich mir eigentlich selbst erhoffen. Einzig, ich glaube nicht daran. Schon Italien führte vor gerade einmal zwei Jahren eine weitreichende Impfpflicht für Kinder ein. Wer nicht eine Ansammlung von gleich zwölf Impfungen über sich ergehen lässt, darf dort eigentlich nicht die Schule besuchen. Es hagelt dort andernfalls Geldstrafe. Dass es in der Realität anders ist, liegt mehr an der italienischen Mentalität als an der Zahnlosigkeit des Zwangs.

Und da reden wir immerhin von der Pflichtschule. An der Uni könnte immer auch das Argument folgen: „Es muss ja niemand studieren.“ Andere ködert man dann wahrscheinlich noch mit der Neiddebatte. Wenn Otto Normalverbraucher für die Pediküre einen negativen Test braucht, wird man argumentieren, muss das für die vermeintlichen hunderttausenden „faulen Bummelstudenten“ ja auch gelten.

Impfnachweis als Eintrittskarte für ein Studium?

Nein, müssen tut niemand studieren – außer er hat gewisse Berufswünsche. Aber gut möglich, dass man manche wichtigen Berufe generell einfach für Kritiker sperren will. Wer mit fadenscheinigen Argumenten Ärzte und Lehrer suspendiert oder gar Berufsverbot erteilt, weil sie sich kritisch gegenüber den Maßnahmen äußern, schreckt auch nicht davor zurück, unangenehme Geister gar nicht erst zum Berufsbild zuzulassen. Es ist ja „nur ein Pieks“…

Und darauf läuft es wohl irgendwann hinaus: Andere Länder haben einen Mindest-Notenschnitt, die österreichische Lösung ist dann die Impfung am Eingang. Wo käme wir denn hin, wenn unsere Hochschulen kritische Geister bilden anstatt willfährig Ja-Sager? Die geplante Ausweitung des absurden Testzwangs auf die Universitäten ist jedenfalls der Testballon, um dies irgendwann auch bei der Corona-Impfung durchzudrücken.