Eine Studie der zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) gehörenden Hans-Böckler-Stiftung förderte in Deutschland Interessantes zu Tage. Dabei ging es in der Befragung von 5.000 Erwerbstätigen Personen allerdings nicht um gewerkschaftliche Themen oder Fragen, wie Corona die Arbeit belastet oder welches Auswirkungen das Virus auf den Arbeitsplatz hat.

  • Studie des DGB zeigt, viele Deutsche sehen Demokratie und Freiheitsrechte in Gefahr
  • Auch den offiziellen Corona-Zahlen der Politik wird misstraut
  • Für Studienmacher ein Indiz für Anfälligkeit für Verschwörungsmythen
  • Sorge um Demokratie wird von Gewerkschaft nicht ernst genommen
  • Reiche werden reicher ist Fakt

Um Corona ging es jedoch trotzdem. Und zwar um Misstrauen in die Politik, Corona-Zweifel und „Verschwörungstheorien“, so der Andreas Hövermann, Soziologe und Mitarbeiter am Forschungsinstitut der gewerkschaftseigenen Stiftung.

Sorge um Freiheit und Grundrechte

Dabei wurden für die Studie zwischen dem 29. Juni und 13. Juli 2021 5.000 Teilnehmer zu sechs Thesen befragt.

  • Die derzeitigen Einschränkungen der Freiheitsrechte stellen eine Bedrohung der Demokratie dar. (36 Prozent Zustimmung)
    • Ich bin in Sorge, dass die Einschränkungen der Grundrechte nach der Krise nicht vollständig zurückgenommen werden. (43 Prozent Zustimmung)
    • Ich glaube nicht, dass das Coronavirus so gefährlich ist, wie es häufig behauptet wird. (27 Prozent Zustimmung)
    • Ich habe Zweifel an den offiziellen Corona-Zahlen. (43 Prozent Zustimmung)
    • Ich kann mir vorstellen, dass hinter der Pandemie eine Elite steht, die eine neue Weltordnung schaffen will. (20 Prozent Zustimmung)
  • Ich kann mir vorstellen, dass die Pandemie von Eliten benutzt wird, um die Interessen der Reichen und Mächtigen durchzusetzen. (32 Prozent Zustimmung)

Festgestellt wird zudem, dass bei allen Fragen, bis auf jener nach der Gefährlichkeit des Virus, die Zustimmung seit dem vergangenen Jahr angestiegen ist.

Gesundes Demokratieverständnis

Für die Gewerkschaftsforscher ist das Ergebnis der Studie ein Alarmsignal. Zeigt es doch angeblich, dass ein Fünftel der Befragten für Corona-Zweifel und sogenannte Verschwörungsmythen empfänglich seien. Die Folgerung der Gewerkschafts-Forscher ist abenteuerlich: Sie bemerkten, dass bei diesem Prozentsatz der Studienteilnehmer die Bindung an „etablierte demokratische Parteien“ verschwindend gering sei. Jedoch sei die AfD die Partei, die diese Klientel zu erreichen vermag.

Weniger Aufmerksamkeit schenkt man offenbar der Tatsache, dass Bürger die Einschränkungen ihrer Freiheitsrechte äußerst skeptisch sehen. So haben ebenfalls 43 Prozent der Befragten ihre Zweifel an den offiziellen Corona-Zahlen. Logisch wäre der Schluss, endlich alles offen auf den Tisch zu legen. Die „Forscher“ empfehlen aber vielmehr, man möge diese „Desinformation“ widerlegen.

Gewerkschaft für Mächtige, nicht für Normalbürger

Dabei zeugt es eigentlich von einem gesunden Demokratieverständnis, dass die Menschen hinterfragen und vorbehaltlos informiert werden wollen. Denn mündige Bürger lassen sich nicht mit politischen Allgemeinplätzen und Regierungspropaganda abfertigen. Und eigentlich befindet sich unter den Sorgen auch ein ureigenstes Gewerkschaftsthema. 

Denn 32 Prozent können ja sich immerhin vorstellen, „dass die Pandemie von Eliten benutzt wird, um die Interessen der Reichen und Mächtigen durchzusetzen“. Hier wäre anzunehmen, dass eine ehrliche Gewerkschaft vernünftige soziale Auswege aus der Krise würde. Denn, dass die Reichen Vermögenszuwächse zu verzeichnen hatten, während die Normalbevölkerung den Gürtel enger schnallen muss, ist immerhin ein Fakt.

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