Israel hat als erstes Land weltweit eine zweite Sperre von weiten Teilen des öffentlichen Lebens verfügt. 

Zuletzt gab es starke Zuwächse bei den positiven Corona-Tests im westasiatischen Land. Den dritten Tag in Folge gab es neue Rekordwerte bei den Ansteckungen, am Donnerstag vermeldete man erstmals 4.000 neue Fälle in Israel. So hoch war die Zahl nicht einmal zum ersten Höhepunkt im Frühjahr. Daher folgen demnächst drastische Maßnahmen.

Ausgangssperre über höchsten Feiertag hinaus

Wie oe24 berichtet, gilt schon seit Dienstagabend in 40 betroffenen Gemeinden eine generelle Ausgangssperre. Wie das Corona-Kabinett entschied, sollen Einschränkungen im Rest des Landes mit den jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana beginnen (in diesem Jahr am 19. und 20. September) und vierzehn Tage andauern. Damit erstreckt sich diese Frist auch über das höchste jüdische Fest Jom Kippur hinweg (diesmal 28. September).

Während dieser Zeit soll landesweite eine strikte Ausgangssperre in Kraft sein. In Schulen und Kindergärten will man noch vorsichtiger sein und zwei Wochen länger schließen. Wie, wann und wo die Maßnahmen ganz genau in Kraft treten können ist allerdings noch nicht ganz gewiss. Die Regierung muss bei ihrer nächsten Zusammenkunft am Sonntag nämlich die Schritte noch billigen und einen Fahrplan ausgeben.

Entgegen dem Rat bekannter Ärzte und Forscher

Mit dieser Entscheidung setzen sich Entscheidungsträger übrigens auch über den Rat von dutzenden Ärzten und Wissenschaftlern hinweg, die sich erst im Laufe der Woche gegen einen zweiten Lockdown aussprachen und stattdessen das schwedische Modell mit ständigen Anpassungen der Maßnahmen als treffsicherer bewarben. Vor allem sollten die schärfsten Ausgangssperren ihrer Ansicht nicht Kinder betreffen.

Unter ihnen befanden sich auch namhafte Forscher wie Udi Qimron, einem Mikrobiologen der Uni Tel Aviv, der Chemie-Nobelpreisträger Michael Levitt, der renommierte Internist und Krebsforscher Eitan Friedmann oder der leitende Pharmakoökonomie-Forscher Ifat Ibadi-Korek. Neben ihnen wächst der Zeitung Haaretz zufolge auch sonst die Kritik an scharfen Corona-Maßnahmen.

Israel als Vorbild bei Lockdown und Corona-Ampel

Heimische Beobachter schauen nun mit Spannung nach Israel – denn es ist gut möglich, dass das Land ein weiteres Mal zum österreichischen Vorbild wird. Bereits beim ersten Lockdown im März gab ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz offen zu, dass ein Telefonat mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu ausschlaggebend für seine Entscheidung des abrupten und folgenschweren Herunterfahrens des öffentlichen Lebens war.

Auch in der weiteren Entwicklung schauten die Länder viel von einander ab – denn Israel orientierte sich bei den graduellen Wiedereröffnungen im Handel an Österreich. Als nächstes war wieder Österreich mit der Kopie an der Reihe. Denn die unlängst unter großer Kritik eingeführte, umstrittene Corona-Ampel ist ebenfalls eine Initiative, die bereits Israel – ebenfalls mit vier Farben – in Betrieb hatte. Im Gegensatz zu Österreich gibt es dort allerdings klare Kriterien und eine gesetzliche Grundlage für die Ampel.

Kurz-Regierung verschärft bereits erste Maßnahmen

Nun könnten Kritiker demnach fürchten, dass der neuerliche Lockdown in Israel angesichts steigender Infektionszahlen in Österreich auch hier zu weiteren Sperren und Einschränkungen führen könnte. Damit schwebt neuerdings ein Damoklesschwert über die bereits beim ersten Mal schwer getroffenen heimischen Betriebe – während etwa der US-Riese Amazon mit Online-Bestellungen ein sattes Umsatzplus erwirtschaften konnte…

Die Sorge ist groß: Regelmäßig erzählen Gewerbetreibende unserer Redaktion von der Sorge, einen zweiten Lockdown wirtschaftlich nicht zu überleben. So weit ist es hierzulande zwar noch nicht. Allerdings erlässt die türkis-grüne Regierung bereits mit dem kommenden Montag wieder neue Verschärfungen, darunter eine generelle Maskenpflicht im Handel. Dies sieht man als gelinderes Mittel zu einer neuen Totalsperre – noch.