Wochenblick ist seit einigen Tagen im Besitz eines zweiten von insgesamt vier Videos des angeblichen Attentäters von Hanau. Darin ist ein offenkundig psychisch schwer erkrankter Mann zu sehen, der wohl selbst nichts von seiner Erkrankung ahnt. Er glaubt all das, was er mit Überzeugung von sich gibt. Seiner Meinung nach werden wir alle aus einer Paralleldimension gesteuert. Zu einem bewusst handelnden, rechtsradikalen Terroristen wollen diese Bilder nicht passen. 

Eine Recherche von Willi Huber

Der Redaktion des Wochenblick wurde ein zweites Video des angeblichen Täters von Hanau zugespielt. Insgesamt befanden sich auf der sehr provisorisch wirkenden Homepage des angeblichen Todesschützen vier Videos. Ob jemand rechtzeitig die restlichen zwei Aufnahmen gesichert hat ist nicht bekannt. Tatsache ist, dass vor dem Wochenblick noch kein (uns bekanntes) Medium aus dem zweiten Video zitiert hat.

Das Material muss jedenfalls den Ermittlern und somit auch der deutschen Bundesregierung zur Verfügung stehen. Es zu veröffentlichen, würde vielleicht nicht zur aktuellen Hass- und Hetzkampagne passen, welche zur Zeit auf die sachlich völlig unbeteiligte Partei AfD niederprasselt. Die Person, die uns als Einzeltäter von Hanau präsentiert wird, war klar ersichtlich schwer geisteskrank. Dies beweist vor allem das zweite Video.

Insgesamt gab es vier Videos

Die Videos des Tobias R. tragen, wie auf dem Screenshot seiner mittlerweile gelöschten Homepage ersichtlich ist, die Namen:

  • Video 1 (Erklärung)
  • Video 2 (USA)
  • Video 3 (zu den Links)
  • Video 4 (Schlussanmerkungen)

Uns lag zunächst, wie vielen anderen Menschen das Video vor, wo der angebliche Täter in englischer Sprache über „geheime unterirdische Militärbasen in den USA, wo der Teufel angebetet wird und man Kinder foltert“ spricht. Das „neue“ Video ist das Video 4 mit dem Titel „Schlussanmerkungen“. Es hat neun Minuten und eine Sekunde Laufzeit. Tobias R. sitzt dabei in dem selben kargen Zimmer, in dem er die Botschaft an die USA aufgezeichnet hatte. Aktenordner schmücken ein schlichtes Regal, der Boden ist weiß gekachelt.

Der Inhalt des „neuen“ Videos

Zunächst macht Tobias R. eine Korrektur zum Inhalt seiner vorhergehenden Videos. Dann erwähnt er eine Person namens Markus F., einen ehemaligen Schulkameraden. Dieser könne bestätigen, dass er im Jahr 2004 eine Anzeige gemacht habe, denn Ermittlungsbehörden hätten diesen Herren im Anschluss kontaktiert und befragt. Die zweite Person ist Jörg B. Bezugnehmend auf das schriftliche Manifest müsste dies der Mann sein, mit dem er im Jahr 1999 ein rassistisches Gespräch über die Vernichtung ganzer Völker geführt haben will. Dieses Gespräch hätten, so R. in seinem Manifest, „Geheimdienste“ telepathisch abgehört. 

Angeblich jeden Tag ein getöteter Deutscher

Ab 2:23 spricht Tobias R. über die Kriminalstatistik in Deutschland. Im gesamten Bundesgebiet wäre in den letzten Jahrzehnten jeden Tag ein Deutscher durch einen Ausländer getötet worden. Diesen Teil trägt er sachlich vor. In seiner Stimme oder seinem Blick schwingen kein feststellbarer Hass mit. Er doziert diese Zahlen mit abgehackter aber ruhiger Stimme. Weder Wut noch Zorn noch sonst eine Emotion sind zu hören oder zu sehen. R. bezeichnet diese Anzahl von Toten mehrfach als „völlig inakzeptabel“.

Tobias Rs Theorie des Remote Viewings

Ab 4:08 spricht R. übergangslos über seine Theorie des „Remote Viewings“, also mittels geistiger Mittel in die Ferne zu sehen. Ein interessantes Detail ist der Umstand, dass er sich erst in den letzten Wochen mit diesem Thema auseinandergesetzt haben will. R. nimmt eine CD zu Hilfe um das Universum zu verdeutlichen. „Man ist anscheinend in der Lage, an jeden beliebigen Ort im Universum hinzugehen.  Also geistig hinzugehen und Dinge zu sehen. Das andere ist, dass man ja auch in die Vergangenheit schauen kann und in die Zukunft schauen kann. Und da stellt sich jetzt dann schon die Frage, was ist da eigentlich los? Also unser Universum, ist das eine Simulation?“ Mit einer zweiten CD erklärt er, dass es eine zweite Ebene neben dem Materiellen Universum gäbe, in welche Menschen sich mit ihrem Geist hinversetzen könnten, um alle Informationen aus dem Universum abzurufen. Diese Frage könne er aber nicht abschließend klären, „das müssen jetzt andere tun“.

Mutmaßlicher Täter: „Wahrheit macht frei“

Ab 7:00 kommt R. zu seinem „fünften und abschließenden Punkt“. Verschiedene Whistleblower hätten Wahrheiten über die Welt veröffentlicht. Neben Edward Snowden nennt er Emery Smith, Travis Walton, Phil Schneider (dem Autor von „Underground Bases, Reptilians and the Battle for Humanity“) und Erich von Däniken. Diese Whistleblower hätten dafür gesorgt, dass die Mauer vor der Wahrheit Risse bekommt. Tobias R. führt aus, dass er seine Aufgabe darin sieht, weitere Risse in dieser Mauer zu erzeugen bis sie endlich einstürzt. Bis die Wahrheit über die Menschheitsgeschichte und das Universum offenbart wird. Wir legen Wert auf die Feststellung, dass wohl keiner der genannten Herren in einer wie auch immer gearteten Verbindung mit Tobias R. stand.

R. schließt mit einem Spruch: „Ich glaube nicht, dass die Leute die heute lachen auch in Zukunft noch lachen werden. Damit möchte ich sagen, die Wahrheit kommt ans Licht. Sie wird ans Licht kommen, es ist nur eine Frage der Zeit. Oder anders gesagt: Wahrheit macht frei.“

Passt die Homepage ins Bild?

Die Homepage des Täters wirft Fragen auf. Genauso der Umstand, dass er im Internet zuvor scheinbar noch nie wirklich in Erscheinung getreten ist. Auf seinem ebenso sehr neuen YouTube Kanal war eines der vier Videos, die Botschaft an die USA zu sehen. Dieses war erst 6 Tage vor der Tat hochgeladen worden. Ansonsten wies die Seite keine Inhalte auf. Bis die offiziellen Stellen alle Details zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammenfügen können, werden wohl noch einige Wochen und Monate vergehen.