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"Wochenblick"-Chef vom Dienst René Rabeder vor der Asylwerberunterkunft "Maradonna" in Steyr. Hier hat der mutmaßliche Mörder von Steyr gewohnt.

Der „Wochenblick“ sah sich exklusiv in Steyr-Münichholz um und versuchte, durch Gespräche mit der Bevölkerung des Stadtteils, ein Stimmungsbild einzufangen. Ein Afghane soll dort das Leben eines erst 16-jährigen Mädchens brutal ausgelöscht haben. Die Ergebnisse stimmen traurig. Sehr überrascht über den brutalen Mord an dem Mädchen („Wochenblick“ berichtete) zeigt sich in dem Viertel niemand.

Ein Lokalaugenschein von Rene Rabeder

Beklemmende Stille

Es ist ein klirrend kalter Vormittag an einem Donnerstag in Steyr-Münichholz. In den großen Innenhöfen und auf den labyrinthartigen Wegen der riesigen „Hitlerbauten“-Anlage kann man sich als Fremder kaum zurechtfinden.

Menschen sieht man fast keine auf der Straße. In vielen der Wohnungen ist das Licht an. Der eisige Wind trägt das leise Stimmengewirr der laufenden Fernseher durch den Stadtteil. Auf vielen Fensterscheiben kleben Sterne und Christkindl.

Junges Leben brutal ausgelöscht

Weihnachtsmänner stehen auf den Fensterbänken. Der Kitsch der Jahreszeit wirkt hier und heute besonders grotesk. Es beginnt ganz leicht zu schneien. Einer dieser grauen und kalten Dezembertage, die man am liebsten mit einer Tasse Tee vor dem Kamin verbringen möchte. Einer dieser Tage, die Michelle F. nie wieder erleben wird.

Auf dem Fensterbänkchen der 16-Jährigen liegt eine weiße Rose. Drei Grabkerzen stehen daneben. Kein Weihnachtsmann. Es ist jenes Fenster, durch das ihr Mörder – der siebzehnjährige afghanische Asylwerber Saber A. – wenige Tage zuvor geflüchtet ist, nachdem er Michelles Leben mit zwei Messerstichen in den Rücken ausgelöscht hatte.

Täter war in Siedlung bekannt

„Ob der Wind auch ihre verzweifelten letzten Schreie durch den Hof getragen hat“, frage ich mich und gehe rund um das Haus. Neben der Türe, vor einem Kellerfenster, stehen noch viel mehr Kerzen. Ein weißer Teddybär wacht über die Lichter.

Aus einem Nebenhaus huscht eine dunkel vermummte Gestalt. Ein Mann macht sich auf, mit seinem kleinen Hund eine Runde zu gehen. „Es ist ein Wahnsinn, was die mit unseren Mädchen machen“, sagt er unvermittelt in meine Richtung. Ich beginne mit ihm zu reden.

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Auf diesem Spielplatz neben einem Kindergarten treffen die Mädchen die Asylanten.

„Unsere Mädls sind so dumm“

Während sein Hund versucht, all seine Geschäfte so rasch es nur geht zu erledigen, erzählt mir der Herr, dass er selbst den Täter am Vormittag des Mordes noch in der Siedlung gesehen hätte.

„Unsere Mädls sind so dumm. Immer wieder lassen sie sich auf diese Asylanten ein. Ich habe absolut kein Verständnis mehr und mein Mitgefühl hält sich in Grenzen. Den Typen würde ich sofort aufhängen! Und das können Sie ruhig schreiben“, sagt er mit Nachdruck und huscht, samt Hund, wieder ins warme Haus.

Einen Torbogen weiter ist ein Wirtshaus. Zur Mittagszeit ist es nun schon recht gut gefüllt. Etwa 20 Leute stehen rund um die Bar und trinken. Die Tische hingegen sind alle leer. Gegessen wird hier nichts. Ich werde gleich als Ortsfremder erkannt und der sympathische Wirt beginnt mit mir zu reden. Sofort geht es um das Thema, das ganz Steyr fest im Griff hat: Den Mord an Michelle.

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Kerzen und ein Teddybär erinnern an Michelle F., deren junges Leben mit mehreren Messerstichen ausgelöscht wurde.

„SPÖ wollte das damals so“

„Für diese Asylanten ist das Leben unserer Mädchen weniger wert, als das Leben einer Ziege“, stellt er fest. Ich frage ihn, ob denn viele Asylwerber hier wären und er erzählt mir, dass das ehemalige Gasthaus „Maradonna“ 2015 zu einem Flüchtlingsheim umfunktioniert wurde.

„Die SPÖ wollte das damals so! Wir haben zu der Zeit alle dagegen protestiert, aber da war nichts zu machen. Es hat dann sofort Probleme gegeben. Bei mir haben sie gleich im Garten eingebrochen. Dann haben sie aber gemerkt, dass es hier in der Gegend nicht viel zu holen gibt. Also haben sie scheinbar beschlossen, dass sie sich die Mädls nehmen“.

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In der Asylwerberunterkunft soll der mutmaßliche Mörder von Michelle, der Afghane Saber A., zuletzt gelebt haben. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Sex und Drogen am Spielplatz

Und dann schlägt er weiter in die gleiche Kerbe, wie der Mann mit dem Hund zuvor: „Die Mädchen sind ja alle selbst schuld!“, er zeigt aus dem Fenster und erklärt, „da hinten ist ein Kindergarten, gleich gegenüber vom Asylheim. Dort treffen sie sich immer mit den Afghanen und Syrern aus dem Heim“.

Er erzählt, dass die Polizei den Spielplatz schon im Visier hätte, weil dort auch Drogen konsumiert werden würden. Auch zu Sex zwischen den Mädchen und den Asylanten soll es immer wieder kommen.

Und zwar so lautstark und heftig, dass sich Anrainer immer wieder beschweren würden. „Klar, das sind junge Männer. Die wollen das natürlich“, stellt der Wirt fest und widmet sich wieder den anderen Gästen. Sie unterhalten sich über den Mord an Michelle. Ich suche mir im Labyrinth der Hitlerbauten den Weg nach Hause.