Bei den entscheidenden Themen gaben sich alle Medien 2015 zum einschlägigen Mainstream-Komplex zugehörig zu erkennen. Gerade die Asylwelle hat dies eindrucksvoll vor Augen geführt. Im Sommer 2015 fand sich keine einzige Tageszeitung, welche auf die Gefahren der offenen Grenzen hinwies.

Die Auflagen der großen Tageszeitungen brechen weiter ein. Die Ausreden der Mainstream-Medien sollen die wahren Gründe der Leser-Flucht verschleiern. Allein in den letzten Jahren sind ihnen hunderttausende Leser verloren gegangen, die Druckauflagen befinden sich weiter in einem dramatischen Sinkflug.

Ein Gastbeitrag von Stefan Magnet

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400.000 Leser weniger

Die österreichische Media-Analyse (MA) überprüft jährlich die Reichweite aller Tageszeitungen zusammen. Mit vereinten Kräften konnten Produkte wie Krone, Kurier, Standard, Presse & Co. jahrzehntelang die Leserinnen und Leser informieren – und zwar flächendeckend. Alternativen gab es kaum. Doch seit einigen Jahren bröckelt dieses Monopol.

In Zahlen bedeutet das: In nur sechs Jahren sind den Tageszeitungen 400.000 Leser verloren gegangen! Zur Größeneinordnung: Das ist so, als würden plötzlich alle Bewohner der Städte Linz und Salzburg geschlossen den Konsum dieser Tageszeitungen verweigern. Die aktuelle Media-Analyse bescheinigt nämlich allen Tageszeitungen Österreichs zusammen genommen eine Nettoreichweite von 64,6 Prozent. Das sind rund 4,8 Millionen Leser. Ein neuer Tiefpunkt, der jährlich nach unten verschoben wird.

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Auch Flaggschiffe kämpfen

2011 erreichten alle Tageszeitungen noch 5,2 Millionen Leser. Gerade die großen Boulevardzeitungen wie „Kronen Zeitung“, „Österreich“, „Heute“ und „Kurier“ befinden sich seit Jahren im steten Sinkflug und mussten auch zum Vorjahr Reichweite einbüßen.

Erreichte die „Krone“ 2011 laut Media-Analyse noch 38,2 Prozent der möglichen Leser, griffen 2017 „nur mehr“ 29,2 Prozent zur auflagenstärksten Tageszeitung. Trotzdem bleibt die „Krone“ unumstrittene Nummer 1. Platz 2, die „Heute“, liegt derzeit bei 12,6 Prozent Reichweite.

Print ist nicht tot

Markenverantwortliche, Chefredakteure und Verlagsbosse haben verschiedenste Ausreden zur Hand, um die Ablehnung der Leser schönzureden. Die meist verbreitete These fabuliert vom „Sterben der Printmedien“. Die jungen Leser würden nur mehr Online konsumieren, weshalb der Rückgang bei Printmedien logisch sei. Dem muss aber entgegen gehalten werden, dass es sehr wohl – auch im Internet-Zeitalter – noch Zeitungen gibt, die sich über Leserzuwächse freuen können. Man muss gar nicht die momentan erfolgsverwöhnten alternativen Medien-Projekte – wie etwa den „Wochenblick“ – bemühen. Auch hier gibt die Media-Analyse Aufschluss.

Betrachtet man nämlich die Entwicklung des rosaroten „Standard“, wird klar, dass der Reichweiten-Einbruch keineswegs für alle Printmedien gilt. Von 2016 auf 2017 konnte der „Standard“ seine Leserreichweite von 5,3 auf 6,5 Prozent erhöhen. Das Branchenportal „Medienmanager“ sprach in diesem Zusammenhang richtigerweise von „einem wahren Höhenflug“. Zeitungen, die eine klare und transparente Linie verfolgen, bekommen auch das nötige Vertrauen ihrer Leser. Medien aber, die von oben herab ihre dubiosen Moralvorstellungen diktieren wollen, werden auch in Zukunft die Leser verlieren – das glaubt auch Konrad Paul Liessmann.

Glaubwürdigkeit verloren

Der Essayist und Kulturpublizist vertrat im Februar 2017 im ORF die Meinung, dass der österreichische Mediennutzer die letzten Jahre „von moralischen Instanzen umzingelt“ war. Es hätte ständige Moralpredigten, Appelle und Aufrufe gegeben. Vielleicht, so meint der Wiener Universitätsprofessor, seien die einfachen Menschen mit zu viel Moral konfrontiert worden. An moralischen Imperativen hat es vielleicht wirklich nicht gemangelt, so Liessmann, aber es habe vielleicht an der Glaubwürdigkeit gelegen, diese moralischen Vorstellungen auch selbst zu vertreten.

„Denn wenn solche Moralvorschläge von jenen kommen, die im Grunde nicht tangiert sind, die tatsächlich keine Sorge um den Arbeitsplatz haben, die von der Flüchtlingskrise nicht existenziell bedroht sind, die keine Abstiegsängste um ihre Kinder haben müssen, weil die ohnehin in Oxford oder Stanford studieren, dann wirkt das nicht sehr überzeugend.“ Wenn diese „moralischen Instanzen“, die offensichtlich in besseren Lebensverhältnissen leben wie die große Zahl ihrer Leser, dann auch noch entscheiden, welche Informationen „gesellschaftlich relevant sind“, wie dies „ARD“-Chefredakteur Kai Gniffke sagte, dann wenden sich die Leser und Seher immer mehr ab. Denn die Glaubwürdigkeit ging verloren.

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Kritische Leser werfen den Mainstream-Medien – gerade hinsichtlich des Syrien-Kriegs – aktive Kriegshetze vor!

Österreich „zeigt Herz“

Immer öfter positionieren sich die großen Medienkolosse radikal gegen ihr eigenes Leservolk. Als 2015 die Asylwelle Österreich überrollte, die rot-schwarze Regierung ihre eigenen Gesetze brach und der Rechtsstaat ausgehebelt wurde, bejubelten alle Medien gleichgeschaltet diese Invasion und schrieben von „der Nacht der Menschlichkeit“ oder „Österreich zeigt sein großes Herz“.

Und als dieser Tage die deutsche „Bild-Zeitung“ ungeniert Propaganda für einen Angriffskrieg gegen Syrien machte, blieb den Lesern als letztes Mittel der laute Protest in den Kommentarspalten auf Facebook. Der Kauf-Boykott der „Bild“ dürfte wohl auch weiter gehen. Jährlich kaufen etwa 200.000 Deutsche weniger das Boulevard-Flaggschiff aus dem Hause Springer.