Heute ist es soweit. Nach monatelangem Wahlkampf findet die US-Präsidentschaftswahl statt. Nun entscheidet sich, ob Hillary Clinton oder Donald Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird. Ein Sieger steht jedoch schon jetzt fest: Die Finanzindustrie.

Wall Street: Clinton bekommt Abermillionen

Wie der ORF in der Sendung WELTjournal vom 2. November berichtet, haben beide Kandidaten zusammen etwa 5 Milliarden an Wahlspenden erhalten. Ein großer Teil davon stammt aus der Finanzindustrie. Auch wenn eine Offenlegung der Spender gesetzlich nicht notwendig ist, sind viele der Namen im Netz einzusehen. Es handelt sich um führende Köpfe der Finanz-Netzwerke.

So erhielt Hillary Clinton vom Hedgefonds-Manager Donald Sussman 32 Millionen Dollar, vom umstrittenen Investor und Einwanderungsbefürworter George Soros 16 Millionen Dollar und von James Simsons, ebenfalls Milliardär und Hedgefonds-Manager, 12 Millionen Dollar.

Trumps finanzstarke Hintermänner

Doch auch Donald Trump, der sich gerne als „unbestechlicher Kandidat“ bezeichnet, der nicht auf Spender angewiesen sei, steckt tief im Netzwerk der Wall Street. So kommen 12 seiner 13 Berater direkt aus der Finanzindustrie. Diese sind etwa Steven Mnuchin von Goldman-Sachs (Investmentbank), Tom Barrack von Colony Capital (Immobilieninvestor), Stephen Feinberg vom Cerberus (Investmentfonds) oder John Paulson, ebenfalls Goldman-Sachs. Paulson wettete 2007 auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts und verdiente damit Milliarden.

Kritik an der Macht der Finanz-Eliten

In der ORF-Doku kommt auch Morris Pearl zu Wort. Er ist einer der reichsten US-Amerikaner und Ex-Generaldirektor von BlackRock, dem weltgrößten Vermögensverwalter und laut der Basler Zeitung „größten Schattenbank der Welt“. Pearl kritisiert offen das System der Kapitalverdichtung bei einigen wenigen einflussreichen Familien, die durch ihre politische Einflussnahme und Spenden ihren Machtbereich stetig ausweiten würden. Dies geschehe, so Pearl, auf Kosten einer wachsenden Masse an Armen.

Durch Schlupflöcher müssten Reiche wie er, die nicht durch harte Arbeit ihr Geld verdienen würden, sogar weniger Steuern zahlen als normale Arbeiter. Kenner der Finanzwirtschaft bezeichnen diese Entwicklung bereits als Weg in die Oligarchie. Investigativ-Journalist Greg Palast geht sogar noch einen Schritt weiter, wenn er Trump abspricht, ein echter Milliardär zu sein, der finanziell nur vom richtigen Milliardär John Paulson – dem König der Immobilienkrise – abhängig sei.

Kritik an eigenen Finanziers

Hillary Clinton geht mit der Kritik an den niedrigen Steuersätzen auf Wählerfang. Ebenso Donald Trump, der die Hedge-Fonds-Manager angreift, und es als Witz bezeichnet, dass diese so wenig für den Staat zahlen müssten. Trump selbst war unlängst in die Kritik geraten, weil er selbst über 18 Jahre keine Steuern gezahlt haben soll. Grund soll ein Kniff gewesen sein, bei dem er eigene Verluste in der Steuererklärung so abschrieb, dass er davon profitieren konnte. Die Kritik an den eigenen Lobbyisten hat dabei schon länger Tradition. So versprach auch Obama Steuerschlupflöcher zu stopfen. Passiert ist seitdem wenig.

Wie die Wahlen auch ausgehen mögen, eines steht schon jetzt fest: Die US-Banken, Lobbys und Investmentunternehmen haben beiden Parteien über Umwege Milliardenbeträge zukommen lassen.

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